Kriterien - Beurteilungsgrundlagen

Erstellt von: niederstadtniederstadt - am 07 May 2016 10:17 - Zuletzt geändert von niederstadtniederstadt: 18 May 2018 09:09


Zitat aus Wikipedia:

Ein Kriterium (gr. κριτήριον, „Gerichtshof; Rechtssache; Richtmaß“) ist ein Merkmal, das bei einer Auswahl zwischen Personen oder Objekten (Gegenständen, Eigenschaften, Themen usw.) relevant für die Entscheidung ist.

Zur Beantwortung der Fragen, die sich in der sozialmedizinischen Beurteilung von Erkrankungen, Behinderungen, Arznei-, Heil-, Hilfsmittel- oder Rehabilitationsanträgen oder Anträgen mit Bezug auf Behandlungsmethoden oder im Hinblick auf besondere Leistungen, z.B. im Rahmen der Palliativversorgung stellen, werden Beurteilungshilfen benötigt, um sozialmedizinisch schlüssige, objektive und neutrale sozialmedizinische Gutachten zu erstellen, die für die Empfänger der Gutachten nachvollziehbar sind und deren Empfehlungen in der Realität des sozialen Versicherungssystems umsetzbar sind.

Bei der sozialmedizinischen Entscheidungsfindung für eine positive oder eine negative Empfehlung müssen die wesentlichen, entscheidungsrelevanten medizinischen Fakten unter Berücksichtigung der Prinzipien der Evidenzbasierten Medizin in Beziehung zum geltenden sozialrechtlichen Hintergrund / den Prinzipien der Sozialversicherung gesetzt werden.

Der allgemein anerkannte Stand der medizinischen Erkenntnisse - wie er sich z.B. in medizinischen Leitlinien oder in der anerkannten Fachliteratur ausdrücken kann - muss bei der Formulierung einer Empfehlung berücksichtigt werden.
Auch gut geplante Studien auf hohem methodischem Niveau mit entsprechender Empfehlung einer Ethikkommission zur Durchführung erlauben Aussagen zum Stand der wissenschaftlichen medizinischen Kenntnis zum Zeitpunkt der Studienplanung bzw. zu möglichen Änderungen des Kenntnisstandes aufgrund der Ergebnisse der jeweiligen Studien.

Sozialmedizinische Entscheidungsfindung muss Informationen zur Erkrankung im Einzelfall - gegebenenfalls auch zur bisherigen Erkrankungs- und Behandlungsgeschichte - berücksichtigen.
Für die Erkrankung oder das vorliegende Erkrankungsstadium sind dann Informationen über die empfohlenen und anerkannte medizinischen Standardbehandlung gemäß aktueller, anerkannter und wissenschaftlich entwickelter Leitlinien erforderlich.
Wenn Leitlinien fehlen oder nicht mehr aktuell sind oder der individuelle Einzelfall vom "Standardfall" der Leitlinie erkennbar abweicht, müssen andere Informationen gesucht werden, um den jeweils aktuellen Stand der allgemein verfügbaren wissenschaftlich begründeten Behandlungsverfahren für die vorliegende Erkrankungssituation zu bestimmen.
Wissenschaftlich begründet können auch Behandlungsverfahren sein, die im Rahmen einer geordneten und qualitativ sowie ethisch überprüften Weiterentwicklung des medizinischen Erkenntnisstandes z.B. an akademischen Zentren angeboten und/oder im Rahmen qualitativ hochwertiger und gut geplanter klinischer Studien angewendet werden.

Wissenschaftlich und/oder ethisch fragwürdig sind häufig Behandlungsverfahren, die nur von einzelnen Personen oder Gruppierungen, außerhalb (registrierter/durch eine Ethikkommission überprüfter) klinischer Studien und ohne transparente Kriterien der ethischen und qualitativen Prüfung als unkonventionelle, neuartige Behandlungsmethoden propagiert und angewendet werden. Der Verdacht auf fehlende Objektivität oder sogar bewusste Verzerrung in der Darstellung der Vorzüge der Methode gegenüber prospektiven Patienten liegt insbesondere dann nahe, wenn entsprechende Behandler in einem relevanten Umfang wirtschaftlich von der Vermarktung der von ihnen propagierten speziellen Behandlungsmethode profitieren.
Die Behandlungsqualität bei Anwendung experimenteller Methoden durch entsprechende Behandler kann in aller Regel nicht objektiv überprüft werden.

Eine Hilfe für eine rationale Einschätzung neuer oder wenig bekannter Methoden bieten die Kriterien und Methoden der so genannten Evidenzbasierten Medizin. Den aktuellen Stand des Wissens zu Behandlungsmethoden und Erkrankungen bilden unter anderem Leitlinien verschiedener medizinischer Fachgesellschaften und wissenschaftlicher Vereinigungen ab. Nicht alle Leitlinien sind allerdings evidenzbasiert - und oftmals sind Leitlinien auch nicht ausreichend aktuell. Klinische Studien, die in einem öffentlichen Register eingetragen und von einer Ethik-Kommission befürwortet wurden, zeigen aktive Forschungsbereiche auf und liefern damit auch Informationen über neuartige Methoden, über deren Nutzen man zwar noch nichts aussagen kann, die aber zumindest als wissenschaftlich fundiert und plausibel angesehen werden können, da ansonsten eine ethische Befürwortung durch die entsprechende Ethik-Kommission nicht erfolgt wäre.
Es gilt mittlerweile auch als belegt, dass eine Teilnahme in einer ordentlich registrierten klinischen Studie, die entsprechend der Deklaration von Helsinki und der Kriterien des Weltärztebundes durchgeführt wird, für betroffene Patienten eine optimale Behandlungsqualität garantiert und die Patienten in jedem Fall als Studienteilnehmer profitieren, egal, in welche Behandlungsgruppe sie eingeteilt werden.

Bei Erkrankungen und Gesundheitsstörungen, wenn z.B. der aktuelle medizinische Standard in der Regel nur objektiv unzureichende Behandlungserfolge erzielen kann, können optimierte und neue Therapieansätze, die in klinischen Studien überprüft werden, in bestimmten Fällen, z.B. im Hinblick auf §2 Abs. 1a SGB V, auch eine Leistung des solidarischen Sozialversicherungssystems darstellen (Siehe Artikel "Klinische Studien im Sozialrecht" in diesem Wiki).

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