Wirksamkeit

Erstellt am 02 Jul 2017 23:15 - Zuletzt geändert: 02 Sep 2019 11:38

Siehe auch:
MethodeMethodenbewertung des G-BANutzenbewertungWirkungPatienten-Nutzen

Als Wirksamkeit wird in der Evidenzbasierten Medizin im Allgemeinen eine (positiven) Veränderung im Gesundheitszustand bezeichnet, die als Folge der Wirkung eines Arzneimittels oder einer sonstigen medizinischen Behandlung eintritt oder eintreten soll.

Dabei sind verschiedene Facetten von Wirksamkeit in der deutschen Sprache normalerweise nicht voneinander zu trennen. Aus diesem Grunde werden von Anwendern der Evidenzbasierten Medizin oft englische Begriffe benutzt, um hier differenzieren zu können:

  • "Efficacy" oder Wirkung dient der Beschreibung der unmittelbaren (und erwarteten oder erhofften) Ergebnisse einer Maßnahme unter Studienbedingungen; z. B. der erzielten Normalisierung der Herzfrequenz durch ein Medikament.
  • "Effectiveness" oder Effektivität dient der Beschreibung der Wirksamkeit einer Maßnahme unter Alltags-/Routinebedingungen und schließt auch langfristige gesundheitliche Effekte einer Therapie ein, die in zeitlich befristeten Studien nicht gezeigt werden können; wie z. B. die Auswirkungen der medikamentösen Herzfrequenz-Normalisierung auf das mittel- und langfristige Überleben oder auf die Häufigkeit des Auftretens relevanter zerebrale Durchblutungsstörungen bzw. Apoplexien.
  • "Efficiency" oder Effizienz beschreibt in der Evidenzbasierten Medizin das Verhältnis zwischen dem Aufwand und dem Ergebnis einer spezifischen Intervention (den benötigten Ressourcen, z.B. finanzieller, personeller, zeitlicher Aufwand).1

Andere deutsche Autoren aus dem Umfeld der Evidenzbasierten Medizin ziehen eine Abgrenzung zwischen Wirkung und Wirksamkeit auf der einen Seite und der Effectiveness bzw. dem Nutzenbegriff auf der anderen Seite vor, so z.B. Windeler und Antes in einem Beitrag, der auf den Webseiten des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin veröffentlicht ist2.

Auch der Wissenschafts- und Medizinjournalist Marcus Anhäuser folgt in einem Beitrag in seinem Blog "Placeboalarm" auf der Plattform Scienceblog den Definitionen von Nutzen als Effectiveness und Wirksamkeit als Efficacy, die in einem Beitrag auf Spiegel Online von dem Spiegel-Autor Markus Grill verwendet wurden3.

Dafür, dass der Nutzen von Arzneimitteln nicht bereits durch die Arzneimittelzulassung ausreichend belegt ist, sprechen viele Fakten. Im Mai 2019 publizierte eine Gruppe kritischer Onkologen eine Analyse der zwischen Januar 2013 und Juli 2018 von der FDA zugelassenen ontologischen Medikamente und kam zu dem Schluss, dass in fast einem Fünftel der Fälle die Zulassungsstudien eine nur suboptimale Kontroll-Therapie erfolgt war. Damit ist durch die entsprechenden Zulassungen noch nicht einmal gezeigt, dass die neu zugelassenen Medikamente mindestens genau so gut sind wie der tatsächliche Therapiestandard. (Hilal T, Sonbol MB, Prasad V. Analysis of Control Arm Quality in Randomized Clinical Trials Leading to Anticancer Drug Approval by the US Food and Drug Administration. JAMA Oncol. Published online May 02, 2019. doi:10.1001/jamaoncol.2019.0167.)

Siehe auch: Effektivität - Effizienz



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